Bevor irgendjemand Eisen schmieden konnte, hatten Menschen schon Kupfer in der Hand. Die ältesten Schmuckstücke aus dem rötlichen Metall stammen aus Anatolien und sind rund zehntausend Jahre alt. Kupfer liegt manchmal gediegen in der Erde, also als reines Metall, und es lässt sich kalt hämmern. Das war der Anfang. Irgendwann fand jemand heraus, dass man Kupfer aus grünem Gestein herausschmelzen kann, und damit begann das, was Archäologen die Kupferzeit nennen.
Der bekannteste Kupferbesitzer der Vorgeschichte ist Ötzi. Sein Beil, um 3300 vor Christus, besteht fast ganz aus Kupfer, und das Erz dafür kam nach neueren Untersuchungen nicht aus den Alpen, sondern aus der Toskana. Ein Mann aus dem Gebirge trug eine Klinge aus Metall, das hunderte Kilometer weit gehandelt worden war. So alt ist der Handel mit Kupfer.
Der Name des Metalls kommt von Zypern. Die Römer nannten es aes cyprium, Erz von der Insel Zypern, daraus wurde cuprum und später unser Kupfer. Auf derselben Insel lag der wichtigste Tempel der Aphrodite, und die Alchemisten des Mittelalters gaben dem Kupfer das Zeichen der Venus: ♀, der Handspiegel der Göttin. Dasselbe Zeichen steht heute für das Weibliche. Beides stimmt, beides ist alt, und wir erzählen es gern nebeneinander.
In Ägypten wurde Kupfer am Sinai gebrochen, unter dem Schutz der Göttin Hathor, der Herrin des Türkis. Ein Papyrus aus der Zeit um 1600 vor Christus beschreibt, wie Wundverbände und Trinkwasser mit Kupfer behandelt wurden. In den Städten am Indus, in Harappa und Mohenjo-Daro, gab es vor viereinhalbtausend Jahren Kupferwerkzeug und ein Wassersystem mit hunderten Brunnen. Und in Indien ist die Gewohnheit, Wasser in Kupfer aufzubewahren, bis heute nie abgerissen. Von dort kommt das Wort Tamra Jal, und von dort kommen auch unsere Flaschen und Becher.
Ein Detail noch, weil es oft falsch erzählt wird: Die Römer haben ihre Wasserleitungen überwiegend aus Blei gebaut, nicht aus Kupfer. Vitruv, ihr eigener Baumeister, hat davor gewarnt. Dass Rom seine Trinkwasserleitungen aus Kupfer legte, ist eine schöne Geschichte, aber keine belegte.