Themenwelt · Rauhnächte

Rauhnächte: die zwölf Nächte, ihre Bräuche und das Räuchern Nacht für Nacht

Wenn die Sonne am tiefsten steht und die Nächte am längsten sind, beginnt eine Zeit, die in ganz Nord- und Mitteleuropa anders gezählt wurde als der Rest des Jahres. Im Norden hieß sie Jul, bei uns die Zwölften oder die Zeit zwischen den Jahren. Man räucherte Haus und Stall, ließ die Arbeit ruhen, merkte sich Träume und Wetter, und man rechnete damit, dass in diesen Nächten die Tür zur anderen Seite einen Spalt offen steht. Diese Seite erzählt, woher die Rauhnächte kommen, von der Mütternacht der Angelsachsen über die Wilde Jagd bis zu den Bräuchen von heute, wann sie sind und was man in welcher Nacht tut. Mit einem Kalender für Dezember und Januar und einer Anleitung fürs Räuchern.

Von Brenda Dahmen, Spirit of Gaia · Stand: September 2026 · Lesezeit etwa 22 Minuten

Räucherschale mit glühender Kohle und Weihrauch, Wacholderzweig, Bienenwachskerze und gefaltete Zettel vor einem Winterfenster

Wann sind die Rauhnächte?

Die Rauhnächte sind die zwölf Nächte vom 24. Dezember bis zum 6. Januar, von Heiligabend bis Dreikönig. In manchen Gegenden beginnen sie schon mit der Thomasnacht am 21. Dezember, in anderen erst am 25. Vier Nächte gelten als die wichtigsten: Thomasnacht, Heiligabend, Silvester und die Nacht auf Dreikönig. Was man in diesen Nächten tut, ist alt: räuchern, still werden, Träume merken. Das passende Rauhnachts-Räucherwerk findest du bei uns im Laden und online.

Wo fängst du an?

Woher die Rauhnächte kommen: Mittwinter im Norden und in der Mitte Europas

Die Rauhnächte sind das, was von einem sehr alten Gefühl übrig geblieben ist: dass die Tage um die Wintersonnenwende nicht zum gewöhnlichen Jahr gehören. Die Sonne bleibt drei Tage lang scheinbar stehen, dann kehrt sie um. Der angelsächsische Mönch Beda schrieb um das Jahr 725, dass die Menschen des Nordens den Dezember und den Januar nach dem Tag benannten, an dem die Sonne umkehrt: Giuli, das Wort, aus dem Jul geworden ist. Und er berichtete von einer Nacht, die seine heidnischen Vorfahren Modraniht nannten, die Nacht der Mütter, in der Nacht auf den 25. Dezember, „wegen der Zeremonien, die sie die ganze Nacht hindurch vollzogen“. Was das für Zeremonien waren, sagt er nicht. Aber dass die längste Nacht des Jahres eine Nacht der Ahnen und der Mütter war, ist der älteste Beleg, den wir für die Zeit haben, die wir heute Rauhnächte nennen.

Im Norden hieß das Fest Jul. Die isländischen Sagas erzählen, dass Mittwinter eines der drei großen Jahresopfer war, gehalten für ein gutes Jahr und für Frieden, und dass König Hakon der Gute um das Jahr 950 das alte Jul auf den Termin des christlichen Weihnachtsfestes legte, mit der Auflage, dass jeder Hof sein Julbier braute. Odin selbst trug den Beinamen Jólnir, der Jul-Gott, und in den Sagas sind die Julnächte die Zeit, in der Trolle, Wiedergänger und Berserker um die Höfe ziehen. Aus dieser Vorstellung stammt die unheimlichste Gestalt der zwölf Nächte: das Heer, das in diesen Nächten durch die Luft zieht, in Norwegen die Oskorei oder Åsgårdsrei, in Schweden die Odensjakt, bei uns die Wilde Jagd oder das Wütende Heer. Ein normannischer Priester hat sie 1091 zum ersten Mal beschrieben, und seither reiten sie durch jede Rauhnachtsgeschichte: Angeführt werden sie je nach Gegend von Wodan, von Frau Holle, von der Percht, in Mecklenburg von Frau Gauden mit ihren Töchtern in Hundegestalt, am Rhein vom Ewigen Jäger.

In der Mitte Europas legte die Kirche schon im Jahr 567 auf einer Synode in Tours fest, dass die zwölf Tage von Weihnachten bis Epiphanias eine heilige Festzeit sind. Damit gab es die Zwölften, wie sie in Norddeutschland bis heute heißen, und weil das Jahr lange erst am 6. Januar begann, war diese Zeit ganz wörtlich die Zeit zwischen den Jahren. Frau Holle ist um das Jahr 1010 zum ersten Mal genannt, in den Bußbüchern des Bischofs Burchard von Worms, der den Glauben an nächtliche Ausritte mit ihr verbieten wollte. Die Percht kam später dazu, im Süden. Und das Räuchern ist in dieser Zeit seit fast fünfhundert Jahren belegt, nicht nur in den Alpen: Der Chronist Sebastian Franck schrieb 1534 über die Deutschen, in den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig gebe es kein Haus, das nicht jeden Tag Weihrauch in seinen Räumen aufsteigen lasse, gegen alle Teufel, Gespenster und Zauberei. Weihrauch auf Herdkohle, dazu Wacholder, Harze aus dem Wald und getrocknete Kräuter: Das ist das Räucherwerk, das durch die Jahrhunderte in diesen Nächten durch die Häuser getragen wurde.

Der Name selbst ist jünger als das, was er meint. Volkskundler halten das Wort Rauhnacht für eine Prägung des 19. Jahrhunderts, als man die alten Bräuche zu sammeln begann. Rauh kann von „rûch“ kommen, haarig, pelzig, wie man sich die Geister dachte, oder vom Rauch, der in diesen Nächten durch Haus und Stall zog. Andere Namen sind Rauchnächte, Glöckelnächte, Innernächte, die Zwölften, in der Eifel die Lüstertage. Eines noch: Von den Kelten ist kein Mittwinterfest überliefert. Alban Arthan, das keltische Sonnwendfest, und das Jahresrad mit seinen acht Festen sind in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden, aus der Sehnsucht nach dem, was man verloren glaubte. Wer heute die Rauhnächte begeht, schöpft aus allem: aus der Mütternacht, aus Jul, aus den Zwölften, aus den Perchten und aus den Büchern von heute. So lebt eine Tradition.

Skizze: die Wilde Jagd als Zug aus Reitern, Hunden und Vögeln, der über ein verschneites Dorf hinwegzieht
Die Wilde Jagd, das Wütende Heer, die Oskorei: dasselbe Bild von Norwegen bis an den Rhein.

Jul im Norden: Julfriede, Julbock, Lussi und die dreizehn Gesellen

Nirgends ist die Zeit um die Wintersonnenwende so dicht mit Bräuchen besetzt wie in Skandinavien und Island, und vieles davon ist der Spiegel dessen, was bei uns die Rauhnächte sind. Der Julfriede beginnt in Norwegen und Schweden mit der Tomasmesse am 21. Dezember, dem Tag, an dem bei uns die Thomasnacht liegt. Bis dahin musste das Julbier gebraut sein, „Tomas brygger“, hieß der Tag, und von da an ruhten die Arbeit und der Streit bis nach Dreikönig. In Turku in Finnland wird der Weihnachtsfrieden seit dem 14. Jahrhundert jedes Jahr am 24. Dezember vom Balkon des Rathauses ausgerufen. Auf den Höfen wurde Julstroh in die Stube gebracht, auf dem die Familie schlief, und eine Hafergarbe für die Vögel an den Giebel gehängt.

Der Julbock ist die älteste Maskengestalt des Nordens. Um 1550 zählte ein dänischer Bischof ihn zu den heidnischen Bräuchen, die zu verbieten seien; das ist zugleich sein erster Beleg. Junge Leute zogen als Bock verkleidet von Hof zu Hof, laut, in Fell und Stroh, und wer sie hereinließ, gab ihnen zu trinken. In Norwegen heißt das Julebukk und läuft bis heute zwischen dem 13. Dezember und Dreikönig, und das Julklapp, an die Tür klopfen und ein Geschenk in die Stube werfen, kommt aus derselben Zeit. Ob der Bock von Thors Böcken stammt, ist eine Theorie; sicher ist nur, dass er seit fast fünfhundert Jahren aus Stroh geflochten wird und heute vor jedem schwedischen Haus steht.

Lussi ist die dunkle Schwester der Lucia. In der Nacht auf den 13. Dezember, im alten Kalender die längste Nacht des Jahres, fliegt sie mit ihrem Gefolge über die Höfe, die Lussiferda, und schaut nach, ob die Julvorbereitungen fertig sind. Wer noch spinnt, buttert oder mahlt, alles Arbeiten, bei denen sich etwas dreht, dem nimmt sie das Gerät weg oder Schlimmeres. Man malte Teerkreuze an die Stalltüren, blieb nachts im Haus, und die Tiere im Stall sprachen in dieser Nacht mit menschlicher Stimme. Dass in den Rauhnächten die Spinnräder ruhen und die Tiere um Mitternacht reden, ist also kein Alpenbrauch, es ist ein Nordseebrauch, und die Lichterkönigin mit dem Kranz, die heute am 13. Dezember durch die Schulen zieht, ist die freundliche Fassung aus dem 20. Jahrhundert.

Und Island hat die Zahl Dreizehn: Die Jólasveinar, die dreizehn Weihnachtsgesellen, Söhne der Trollfrau Grýla, kommen ab dem 12. Dezember einer nach dem anderen von den Bergen herunter, jeder in seiner Nacht, und gehen ab Weihnachten einer nach dem anderen wieder, der letzte am 6. Januar. Grýla selbst wird schon im 13. Jahrhundert bei Snorri genannt, und die Jólakötturinn, die Weihnachtskatze, holt sich, wer bis Jul kein neues Kleidungsstück bekommen hat. Dreizehn Gestalten, dreizehn Nächte, ein Bogen vom Advent bis Dreikönig: Wer sich fragt, warum manche Bücher dreizehn Rauhnächte zählen, findet im Norden das Gegenstück.

Geräuchert wurde auch dort. Wacholder, im Norden Einer genannt, wurde auf den Herd gelegt, wenn Krankheit im Haus war und in den Julnächten, dazu Kiefernharz, das in den Wäldern bis zum Polarkreis gesammelt wurde, und Beifuß von den Feldrainen. Unsere germanischen Rauhnachtsmischungen greifen das auf: Kiefernharz, Wacholder und Beifuß in einer Mischung, die nach Wald und Winter riecht und auf der Kohle lange und ruhig verglimmt.

Eine brennende Kerze steht auf einer Fensterbank, draußen fällt Schnee auf ein verschneites Dorf
Ein Licht im Fenster, damit die, die in diesen Nächten unterwegs sind, den Weg finden. Im Norden wie bei uns.

„Für ein gutes Jahr und für Frieden“: so hieß der Trinkspruch zu Jul vor tausend Jahren. Mehr braucht eine Rauhnacht nicht.

Wie man die zwölf Nächte zählt

Über kaum etwas wird bei den Rauhnächten so gestritten wie über den Anfang. Manche zählen die Nacht von Heiligabend auf den ersten Weihnachtstag als erste Rauhnacht, andere die Nacht vom 25. auf den 26. Dezember. Wieder andere beginnen mit der Thomasnacht am 21. Dezember, der längsten Nacht des Jahres, dem Tag, an dem im Norden der Julfriede beginnt. Alle drei Zählungen sind alt, keine ist die einzig richtige. Wir zählen auf dieser Seite ab Heiligabend, weil das die verbreitetste Zählung ist und die, nach der im Laden am häufigsten gefragt wird. Wem die Tage um Weihnachten zu voll sind, mit Familie, Besuch und Kochen, dem sei gesagt, was wir auch im Laden sagen: Die Rauhnächte laufen nicht davon. Wer ab dem 25. zählt, wer erst am 27. anfängt oder die zwölf Nächte in die stillen ersten Januartage legt, begeht sie nicht falsch. Die alten Bauern hatten in diesen Tagen Ruhe, wir haben sie oft erst nach Neujahr, und der Rauch riecht im Januar genauso.

Belegt ist die Zuordnung der Nächte zu den Monaten des kommenden Jahres: Die erste Nacht steht für den Januar, die zweite für den Februar, und so weiter bis zur zwölften für den Dezember. Das war ein Wetterorakel. „Wie das Wetter in den zwölf Tagen ist, so wird es in den zwölf Monaten“, sagte man, und schrieb morgens auf, was der Himmel gemacht hatte. Träume galten als Vorzeichen für denselben Monat. Diese Losnächte gab es überall, wo Deutsch gesprochen wurde, vom Erzgebirge bis nach Schleswig, und im Norden gehörten die Julnächte genauso zu den Nächten, in denen man in die Zukunft sah.

Was nicht alt ist, sind die Themen, die man heute jeder Nacht zuordnet: Loslassen, Vertrauen, Dankbarkeit. Sie stammen aus Ratgeberbüchern der letzten Jahrzehnte, und die Bücher widersprechen sich untereinander. Das Loslassen liegt je nach Autor in der ersten, fünften, sechsten oder zehnten Nacht. Wir geben im Kalender eine verbreitete Fassung wieder und sagen dazu, was davon überliefert ist und was jüngere Deutung. So kannst du beides nutzen: den alten Kern und die neue Frage.

Der Kalender der zwölf Nächte

Oben Dezember und Januar im Überblick, die Rauhnächte sind markiert; ein Tipp auf einen Tag springt zur Nacht. Darunter jede Nacht mit ihrem Datum, dem Monat, für den sie steht, dem Räucherwerk, das die Räucherbücher ihr geben, einer Sache, die man tun kann, und einer Frage. Die Zeile „Überliefert“ sagt dir, was davon alt ist. Die Themen und die Zuordnung des Räucherwerks zu einzelnen Nächten sind jüngere Deutung; belegt sind die Monatszuordnung, das Räuchern selbst, die Wetter- und Traumnotiz und die Hauptnächte.

Januar 2027

MoDiMiDoFrSaSo 1 9. Rauhnacht 2 10. Rauhnacht 3 11. Rauhnacht 4 12. Rauhnacht 5 13. Rauhnacht 6Dreikönig 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

Rauhnacht, die Zahl ist die Nummer der Nacht. Der 21. Dezember ist die Thomasnacht zur Wintersonnenwende, der 6. Januar Dreikönig.

1. Rauhnacht · 24. auf 25. Dezember · steht für den Januar

Ankommen. Das Haus wird ausgeräuchert, die Stille beginnt

Räucherwerk
Weihrauch, Wacholder oder eine Rauhnachtsmischung
Was man tut
Haus räuchern, von der Küche aus durch jeden Raum, Wacholder auf die Glut. Wetter und Traum notieren.
Frage an die Nacht
Was trägt mich durch das kommende Jahr?
Überliefert
Die Christnacht ist eine der vier Hauptnächte. Bei Beda heißt sie Modraniht, die Nacht der Mütter, die älteste belegte Nacht des ganzen Bogens. Das Räuchern in dieser Nacht ist seit 1534 schriftlich bezeugt.

2. Rauhnacht · 25. auf 26. Dezember · steht für den Februar

Nach innen hören

Räucherwerk
Weihrauch, Zedernholz
Was man tut
Morgens den Traum aufschreiben, bevor der Tag ihn wegwischt. Abends eine Prise Zeder auf dem Sieb.
Frage an die Nacht
Was sagt mir meine innere Stimme, wenn ich still bin?
Überliefert
Träume in den Zwölften galten als Vorzeichen für den zugeordneten Monat, im Norden wie bei uns.

3. Rauhnacht · 26. auf 27. Dezember · steht für den März

Aufbruch und Wachstum

Räucherwerk
Weihrauch, Wacholder, Kiefernharz
Was man tut
Das Wetter des Tages notieren: Wind, Wolken, Kälte. Kiefernharz auf der Kohle riecht nach dem Wald, in dem es gesammelt wurde.
Frage an die Nacht
Was will in mir wachsen?
Überliefert
Die Wetterregel: Wie das Wetter in den zwölf Tagen, so in den zwölf Monaten. Im Norden wurde Mittwinter „für Wachstum“ gefeiert, so steht es in der Ynglinga saga.

4. Rauhnacht · 27. auf 28. Dezember · steht für den April

Wandlung

Räucherwerk
Weihrauch, Myrrhe, Tanne
Was man tut
Einen Wunschzettel ziehen und ungelesen verbrennen. Feuerfeste Schale, Fenster kurz auf, danach Tanne auf die Glut.
Frage an die Nacht
Was darf sich wandeln?
Überliefert
Das Verbrennen der Zettel ist eine junge Praxis, und eine schöne.

5. Rauhnacht · 28. auf 29. Dezember · steht für den Mai

Liebe und Freundschaft

Räucherwerk
Weihrauch, Rosenblüten, Sandelholz
Was man tut
Jemanden anrufen, den man lange nicht gehört hat. Rosenblüten auf dem Sieb, sanft und kurz.
Frage an die Nacht
Wer fehlt mir, und wem fehle ich?
Überliefert
Der 28. Dezember ist der Tag der unschuldigen Kinder; in der Steiermark zieht in dieser Nacht die Percht mit den Seelen der Kinder um.

6. Rauhnacht · 29. auf 30. Dezember · steht für den Juni

Vergeben und loslassen

Räucherwerk
Beifuß, Wermut, Salbei
Was man tut
Etwas aussortieren, das nicht mehr gebraucht wird. Das Haus soll aufgeräumt sein, dann Beifuß auf die Kohle: das Kraut der Übergänge.
Frage an die Nacht
Was halte ich fest, das mich festhält?
Überliefert
In den Rauhnächten durfte nichts Unaufgeräumtes im Haus liegen; im Süden prüfte es die Percht, im Norden Lussi.

7. Rauhnacht · 30. auf 31. Dezember · steht für den Juli

Vorfreude

Räucherwerk
Weißer Salbei, Kampfer, Kiefer
Was man tut
Rückblick auf das Jahr, mit Tee und ohne Bildschirm. Ein Salbeibündel ausfächeln, ohne Kohle.
Frage an die Nacht
Worauf freue ich mich?
Überliefert
Am Tag darauf beginnt die zweite Hauptnacht.

8. Rauhnacht · 31. Dezember auf 1. Januar · steht für den August

Neubeginn. Die Silvesternacht

Räucherwerk
Weihrauch, Myrrhe, Zedernholz oder eine Mischung für den Aufbruch
Was man tut
Räuchern vor Mitternacht, dann Wachs gießen statt Blei, Zwiebelkalender ansetzen, um Mitternacht die Fenster öffnen.
Frage an die Nacht
Was beginnt heute?
Überliefert
Silvester ist eine Hauptnacht und die klassische Losnacht. In Schleswig-Holstein ziehen die Rummelpottläufer maskiert von Tür zu Tür, ein Brauch aus dem 17. Jahrhundert. Bleigießen ist seit 2018 nicht mehr erhältlich, Wachs tut es genauso.

9. Rauhnacht · 1. auf 2. Januar · steht für den September

Orientierung

Räucherwerk
Myrrhe, Tanne, Fichtenharz
Was man tut
Die Zwiebelschalen vom Vorabend ablesen: Wo Salz feucht wurde, wird es ein nasser Monat. Fichtenharz auf die Glut, der Wald zum Jahresanfang.
Frage an die Nacht
Wohin gehe ich?
Überliefert
Der Zwiebelkalender ist in Schwaben, im Erzgebirge und in Schlesien belegt.

10. Rauhnacht · 2. auf 3. Januar · steht für den Oktober

Weisheit, Stille

Räucherwerk
Kampfer, Weihrauch, Wacholderspitzen
Was man tut
Einen Abend lang nichts erledigen. Keine Wäsche, kein Kartenspiel, keine Listen. Nur die Schale und der Rauch.
Frage an die Nacht
Was weiß ich längst?
Überliefert
Arbeitsverbote in den Zwölften: keine Wäsche, kein Spinnen, kein Teig kneten. Im Norden ruhte in der Julzeit alles, was sich dreht.

11. Rauhnacht · 3. auf 4. Januar · steht für den November

Die Ahnen

Räucherwerk
Weihrauch, Myrrhe, eine Ahnenmischung
Was man tut
Eine Kerze für die Menschen anzünden, die nicht mehr da sind, und ihnen eine Prise Weihrauch auf die Glut legen.
Frage an die Nacht
Wem danke ich?
Überliefert
In diesen Nächten ziehen nach altem Glauben die Seelen der Verstorbenen umher; die Mütternacht bei Beda und das Julopfer im Norden waren Ahnenfeste.

12. Rauhnacht · 4. auf 5. Januar · steht für den Dezember

Reifen und vollenden. Die Perchtennacht

Räucherwerk
Weihrauch, Myrrhe, Wacholder
Was man tut
Letzte große Räucherung des Hauses, wieder durch jeden Raum. Im Süden laufen die Perchten und die Glöckler.
Frage an die Nacht
Was ist in diesem Jahr gereift?
Überliefert
Der Glöcklerlauf in Ebensee am 5. Januar steht im Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Österreichs. Perchta, die in dieser Nacht die Häuser prüft, ist seit dem 13. Jahrhundert belegt.

13. Rauhnacht · 5. auf 6. Januar · steht für den Dreikönig

Abschluss und Segen

Räucherwerk
Weihrauch
Was man tut
Haussegen an die Tür, den dreizehnten Zettel öffnen, die Schale ausräumen. Ein letztes Mal Weihrauch.
Frage an die Nacht
Was nehme ich mit?
Überliefert
Epiphanias: Sternsinger, C+M+B an der Tür, Segnung von Weihrauch und Wasser. Im Norden endet der Julfriede, in Island geht der letzte der dreizehn Gesellen zurück in die Berge.

Die dreizehnte Zeile ist die Nacht auf Dreikönig, die manche als eigene Rauhnacht zählen und manche als Abschluss. Wer erst nach Neujahr Ruhe hat, nimmt denselben Bogen und beginnt später; die Monate rücken einfach mit.

Skizze: ein Bogen aus zwölf Monden über einer Räucherschale, einer Kerze und Wacholder
Zwölf Nächte, ein Bogen. Darunter das, was man braucht: Schale, Kerze, Wacholder, Zettel.

Die Monatszuordnung ist alt, die Themen sind jung, und die Stille gehört dir.

Was sind Sperrnächte?

Der Begriff ist alt, aber er meint etwas anderes, als heute meistens erzählt wird. Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm steht die Sperrnacht mit genau einem Beleg: Im Unterelsass war der Abend vor Weihnachten Sperrnacht, die Spinnräder wurden gesperrt, der Flachs abgesponnen, die Kunkel abgesteckt. Eine Nacht, eine Gegend, und es ging um das Ende der Spinnarbeit vor dem Fest. Das ist dasselbe Motiv wie im Norden, wo Lussi in der Nacht auf den 13. Dezember nachschaut, ob die Spinnräder stillstehen: Was sich dreht, muss vor den heiligen Nächten ruhen, damit der Faden nicht zum Lebensfaden wird.

Die zwölf Sperrnächte im Advent, vom 8. Dezember bis kurz vor Weihnachten, in denen man auf die Monate des vergangenen Jahres zurückschaut, sind eine junge Ergänzung; in der volkskundlichen Literatur kommen sie nicht vor, und über das Startdatum gehen die Angaben auseinander. Wer sie begehen möchte, begeht eine moderne Praxis, und dagegen spricht nichts: Ein Rückblick im Advent tut vielen gut, und eine Prise Beifuß auf dem Sieb passt dazu.

Bräuche und ihre Herkunft

Was in den Rauhnächten getan und gelassen wurde, von der Nordsee bis zu den Alpen. Je Eintrag steht dabei, wie alt der Brauch ist und woher er kommt.

Haus und Hof ausräuchern
Eine Frau trägt eine Räucherschale mit glühender Kohle durch eine alte Holztür in den nächsten Raum

Der Kern der Rauhnächte, und der am besten belegte Brauch von allen. Sebastian Franck beschrieb 1534, dass in den zwölf Nächten in jedem deutschen Haus täglich Weihrauch aufsteige, gegen Teufel, Gespenster und Zauberei. Die Kohle kam aus dem Herd, darauf Weihrauch, wo man ihn hatte, sonst Harz aus dem Wald, Wacholder, geweihte Kräuter vom Kräuterbüschel des Sommers. Jemand aus der Familie trug die Pfanne durch jeden Raum, in der Küche beginnend, auf Höfen auch durch Stall und Scheune, damit das Vieh geschützt sei; die anderen gingen mit, betend oder still. Geräuchert wurde vor neun Uhr abends, und wer fehlte, galt als schlechtes Zeichen. Am lebendigsten hat sich das in den Alpen gehalten, in Kärnten an drei festen Abenden, in Tirol als „Rachn gehn“; aber der Brauch war nie ein Alpenbrauch, er gehörte in ganz Mitteleuropa und im Norden zum Winter dazu. Alt und gut belegt.

Die Wilde Jagd, der Julfriede und die sprechenden Tiere

In den zwölf Nächten ist das Heer unterwegs: die Wilde Jagd, das Wütende Heer, in Norwegen die Oskorei, ein lärmender Zug aus Toten auf feuerschnaubenden Pferden. Deshalb blieb man nachts im Haus, malte im Norden Teerkreuze an die Stalltür, ließ ein Licht im Fenster brennen und räucherte die Schwelle. Deshalb auch der Julfriede: Vom 21. Dezember bis Dreikönig ruhten Arbeit und Streit, im Gesetz wie am Küchentisch, und wer den Frieden brach, wurde härter bestraft als sonst im Jahr. Und um Mitternacht sprachen die Tiere im Stall mit menschlicher Stimme; wer sie belauschte, sollte es allerdings nicht überleben. Wir lassen die Tiere in Ruhe. Alt, belegt von Island bis an den Rhein.

Keine Wäsche waschen, keine Wäsche aufhängen

Die Wilde Jagd könnte sich in den Laken verfangen, hieß es, und in der Steiermark sollte keine weiße Wäsche auf der Leine hängen, sonst nähme sie sich das Geisterheer als Leichentuch. In manchen Gegenden wurde in den Zwölften überhaupt nicht gewaschen. Alt, belegt, und heute die bekannteste Rauhnachtsregel.

Spinnräder wegräumen, nicht Karten spielen, keinen Teig kneten

Der Spinnfaden könnte zum Lebensfaden werden, der im neuen Jahr reißt. Deshalb ruhten die Räder; im Süden prüfte es die Percht, im Norden Lussi, und im Elsass hieß der Abend, an dem die Räder weggesperrt wurden, Sperrnacht. Plätzchen wurden vor den Rauhnächten gebacken, weil das Kneten verboten war, und in manchen Gegenden durfte man nicht Karten spielen. Nichts Unaufgeräumtes sollte im Haus liegen. Alt und belegt, wenn auch regional verschieden.

Losnächte: Wetter, Träume, Zwiebeln und Wachs

Die Rauhnächte waren Losnächte, Nächte für Vorzeichen. Das Wetter jeder Nacht zeigte den Monat an, Träume galten als Botschaft, und zu Silvester goss man Blei. Bleigießsets gibt es seit 2018 wegen des Bleigehalts nicht mehr zu kaufen; Wachs gießen geht genauso und riecht besser. Der Zwiebelkalender ist ein schönes Orakel für den Küchentisch: eine Zwiebel in zwölf Schalen zerlegen, jede mit einem Monat beschriften und mit Salz bestreuen. Wo das Salz am Morgen feucht ist, wird es ein nasser Monat. Alt und in Schwaben, im Erzgebirge und in Schlesien belegt. Wer vor dem Orakel räuchert, nimmt Beifuß: das Kraut, das in allen Räucherbüchern für Träume und Übergänge steht.

Die dreizehn Wünsche
Ein gefalteter Zettel verbrennt mit kleiner Flamme in einer Messingschale, daneben ein Leinensäckchen mit weiteren Zetteln

Vor der ersten Rauhnacht schreibst du dreizehn Wünsche auf dreizehn Zettel, faltest sie und legst sie in ein Säckchen. In jeder Nacht ziehst du einen, ohne ihn zu lesen, und verbrennst ihn in der Räucherschale, gern auf der Glut, auf der gerade das Räucherwerk verglimmt. Zwölf gibst du so ab, der dreizehnte bleibt übrig, und um den kümmerst du dich im neuen Jahr selbst. Manche öffnen ihn am 6. Januar, manche nie. Das Ritual ist jung, in keiner volkskundlichen Sammlung belegt, und trotzdem das beliebteste der Rauhnächte. Ein Hinweis, der in vielen Anleitungen fehlt: Zettel nur in einer feuerfesten Schale verbrennen, nie unbeaufsichtigt, Fenster einen Spalt auf, Kinder und Tiere auf Abstand.

Traumtagebuch und Rauhnachts-Journal

Ein Heft neben dem Bett, morgens der Traum, dazu das Wetter und der Monat, für den die Nacht steht. Das ist die moderne Fassung des alten Losnachtbrauchs, und es ist die einfachste Art, die zwölf Nächte zu begehen. Es braucht nichts als das Heft und die Gewohnheit, vor dem Kaffee zu schreiben. Ob du deutest, was du liest, ist deine Sache. Aufschreiben allein reicht.

Maskenzüge: Julebukk, Rummelpott, Perchten und Sternsinger

Überall, wo die zwölf Nächte begangen wurden, zogen Verkleidete von Haus zu Haus. In Norwegen die Julebukker mit Bocksmaske, vom 13. Dezember bis Dreikönig. In Schleswig-Holstein die Rummelpottläufer an Silvester, mit Masken und einem Topf, über den ein Schweinsblase gespannt ist, die brummt, wenn man mit dem Finger darüberfährt; der Brauch ist im 17. Jahrhundert belegt. Im Salzburger Land laufen zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar die Perchten: die Schiachperchten mit Fell und Hörnermasken, die das Böse vertreiben sollen, und die Schönperchten, die Licht und Fruchtbarkeit bringen; zum ersten Mal 1582 erwähnt. Am 5. Januar ziehen im Salzkammergut die Glöckler in weißen Gewändern mit beleuchteten Kappen durch die Orte. Und am 6. Januar kommen die Sternsinger, singen, räuchern mit Weihrauch und schreiben C+M+B an die Tür. Die Buchstaben standen ursprünglich für Caspar, Melchior und Balthasar; die Deutung als lateinischer Segen kam erst in den sechziger Jahren dazu.

Wacholderrauch steigt aus einer Räucherpfanne vor einer alten Stalltür, dahinter Schnee und Laternenlicht
Wacholder an der Stalltür: der älteste Räucherbrauch der zwölf Nächte, im Norden wie in den Alpen.

Haus ausräuchern: Schritt für Schritt

So räuchern wir in den Rauhnächten, und so erklären wir es im Laden. Du brauchst eine feuerfeste Schale, Sand, Räucherkohle, eine Zange und Räucherwerk; alles zusammen im Rauhnacht-Ritualset oder einzeln beim Räucherzubehör. Wie Räuchern grundsätzlich geht, mit Kohle oder Sieb, steht in unserer Anleitung zum Räuchern.

Eine Frau geht mit einer Räucherschale durch eine alte Holztür, der Rauch zieht in den nächsten Raum
Von der Küche aus durch jeden Raum, Tür für Tür.
  1. Fülle die Schale zu zwei Dritteln mit Sand und zünde eine Kohletablette mit der Zange an. Lass sie fünf Minuten durchglühen, bis sie einen hellen Ascherand hat.
  2. Lege eine Prise Räucherwerk auf die Glut. Für die Rauhnächte klassisch: Weihrauch, Myrrhe, Wacholder oder Beifuß, eine Rauhnachtsmischung oder eine der germanischen Mischungen mit Kiefernharz und Wacholder. Lieber wenig und nachlegen als viel auf einmal.
  3. Beginne in der Küche. Trage die Schale langsam durch den Raum, in jede Ecke, an die Fenster, an die Tür. Wer mag, spricht dabei einen Wunsch oder einen Segen, laut oder still.
  4. Geh weiter, Raum für Raum, bis zum Schlafzimmer. Türen zwischen den Räumen kurz offen lassen, damit der Rauch ziehen kann. Wer einen Keller, einen Dachboden oder einen Stall hat, nimmt ihn mit; früher galt gerade der Stall als der Ort, der den Rauch am meisten brauchte.
  5. Zum Schluss ein Fenster öffnen und den Rauch ziehen lassen. Das gehört dazu: Was gehen soll, geht mit dem Rauch hinaus.
  6. Schale auf eine feuerfeste Unterlage stellen und die Kohle ausglühen lassen, oder mit Sand bedecken. Nie mit Wasser löschen, die Schale kann springen. Vor dem Schlafengehen ist alles kalt.
Von oben: Weihrauchtränen, Myrrhe, Wacholderbeeren, Beifuß, Kiefernharz und eine Räucherschale mit Kohle auf dunklem Holz
Der Kanon der zwölf Nächte: Weihrauch, Myrrhe, Wacholder, Beifuß, dazu Harz aus dem Wald.

Welches Räucherwerk zu den Rauhnächten passt

Belegt ist der Kanon: Weihrauch, Myrrhe, Wacholder und Beifuß, dazu Harze aller Art und getrocknete Kräuter, im Norden vor allem Kiefernharz und Wacholder. Welche Sorte zu welcher Nacht gehört, ist Sache der Räucherbücher. Hier die Stoffe, nach denen im Laden in dieser Zeit gefragt wird, mit dem, was ihnen überliefert zugeschrieben wird.

RäucherwerkFormÜberliefert fürVerglimmt auf
Weihrauch HarzReinigung, Segen, das Licht in dunkler Zeit; das klassische Rauhnachtsharz, seit 1534 für die zwölf Nächte bezeugtKohle
Myrrhe HarzAbschied, Ahnen, die Nächte um SilvesterKohle
Kiefernharz Harzdas Harz des Nordens; Schutz, Wärme, der Wald im WinterKohle
Fichtenharz, Waldweihrauch Harzder heimische Wald im Haus, ErdungKohle
Wacholder Beeren und SpitzenSchutz, Reinigung von Haus und Stall; das Rauhnachtskraut von Skandinavien bis zu den AlpenKohle oder Sieb
Beifuß KrautÜbergänge, Träume, die Nacht; das Kraut der LosnächteSieb
SalbeiKrautKlärung, NeubeginnSieb
RosmarinKrautErinnerung, FrischeSieb
Engelwurz, Angelika WurzelSchutz, in den Rauhnachtsbüchern für die ersten NächteKohle
Mistel, Holunder, Eichenrinde Holz und Krautoft genannt, aber keiner Nacht sicher zuzuordnen; wir führen sie als BeiwerkKohle
Rauhnachtsmischung fertige MischungHarze und Kräuter, aufeinander abgestimmt, für alle zwölf NächteKohle oder Sieb
Germanische Rauhnachtsmischung fertige MischungKiefernharz, Wacholder und Beifuß nach nordischem Vorbild; für die Nächte der Wilden Jagd und der AhnenKohle
Ahnenmischung fertige MischungWeihrauch und Harze für die Nacht der Ahnen und die MütternachtKohle
Weißer Salbei (Bündel) BündelReinigung nach nordamerikanischer Tradition; anzünden, ausfächeln, ohne Kohleohne Kohle

Kanon nach Sebastian Franck (1534), Universität Innsbruck und der Räucherliteratur; Zuschreibungen sind Überlieferung.

Ein Plan für die ersten Rauhnächte

Wer nicht alle zwölf Nächte begehen will, nimmt die vier Hauptnächte und das Heft. Wer alle mag, folgt dem Kalender oben. Hier die ruhige Variante, und wer erst im Januar Ruhe hat, verschiebt den ganzen Plan einfach nach hinten.

WannWasAufwand
21. Dezember, ThomasnachtSchale, Sand, Kohle, Räucherwerk bereitlegen; Haus aufräumen; wer mag, dreizehn Zettel schreiben. Im Norden beginnt heute der Julfriedeeine Stunde
24. auf 25. DezemberErste Räucherung, Weihrauch und Wacholder, von der Küche aus durch jeden Raum. Heft neben das Bett zwanzig Minuten
25. Dezember bis 4. JanuarMorgens Traum und Wetter notieren, den Monat dazuschreiben. Abends eine Prise auf dem Sieb, Beifuß oder Kiefernharz fünf Minuten am Morgen, fünf am Abend
31. Dezember auf 1. JanuarRäuchern vor Mitternacht, Wachs gießen, Zwiebelkalender ansetzen, um Mitternacht die Fenster aufeine Stunde
4. auf 5. JanuarLetzte große Räucherung, die Perchtennachtzwanzig Minuten
6. JanuarC+M+B an die Tür, den dreizehnten Zettel öffnen oder liegen lassen, die Schale ausräumenzehn Minuten

Alles für die zwölf Nächte

Vier Dinge, mit denen im Laden die meisten anfangen, mit je einem Satz, warum genau diese.

Was Kunden bei uns im Laden fragen

Bündel Weißer Salbei mit Lavendel und Zeder in Holzkisten auf dem Ladentisch von Spirit of Gaia in Neuss, dahinter Apothekerschubladen

„Muss ich wirklich alle zwölf Nächte räuchern?“ Nein. Die alten Bräuche kennen drei Hauptabende: Heiligabend, Silvester und die Nacht auf Dreikönig, und wo heute noch nach alter Art geräuchert wird, sind es meist genau diese drei. Wer jeden Abend räuchert, nimmt eine Prise auf dem Sieb und lüftet gut. Wer nur das Heft führt, ist auch dabei.

„Welche Mischung ist die richtige?“ Für die Hauptnächte Weihrauch, pur oder in einer Rauhnachtsmischung. Für die Nächte dazwischen etwas Leichteres auf dem Sieb, Beifuß oder Salbei, oder eine der germanischen Mischungen mit Kiefernharz, wenn es nach Wald riechen soll. Im Laden darfst du alles vorher riechen, und wir sagen dir, was auf die Kohle gehört und was aufs Sieb.

„Ab wann fangen die Rauhnächte an, jetzt wirklich?“ Bei uns am Niederrhein sagen die meisten: Heiligabend. Wer aus dem Süden kommt, zählt oft ab der Thomasnacht. Und wer über Weihnachten keine ruhige Minute hat, fängt später an; wir kennen Kundinnen, die ihre zwölf Nächte jedes Jahr vom 2. bis zum 13. Januar begehen. Alles richtig.

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Sicher räuchern in den Rauhnächten

Häufige Fragen zu den Rauhnächten

Wann beginnen die Rauhnächte?

Meist mit Heiligabend, in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Manche zählen ab dem 25., andere ab der Thomasnacht am 21. Dezember. Sie enden am 6. Januar, mit Dreikönig.

Kann ich die Rauhnächte auch später begehen, zum Beispiel im Januar?

Ja. Der Bogen aus zwölf Nächten lässt sich verschieben; die Monatszuordnung rückt einfach mit. Wer über Weihnachten keine Ruhe hat, beginnt am 27. Dezember oder erst nach Neujahr. Die Rauhnächte sind keine Prüfung mit Stichtag.

Was bedeutet die erste Rauhnacht?

Sie steht für den Januar des kommenden Jahres. Das ist die belegte Bedeutung, ein Wetter- und Traumorakel. Bei Beda heißt sie Mütternacht. Die Themen, die Ratgeber ihr heute geben, etwa Ankommen oder Loslassen, sind jüngere Deutung.

Was macht man in den Rauhnächten?

Räuchern, still werden, Träume und Wetter notieren, keine Wäsche aufhängen, Zettel mit Wünschen verbrennen, zu Silvester Wachs gießen. Der Kalender oben zeigt für jede Nacht eine Sache.

Was haben die Rauhnächte mit Jul zu tun?

Jul ist das Mittwinterfest des Nordens, mit Julfriede, Julbier, Julbock und dem Heer, das in diesen Nächten unterwegs ist. Die Rauhnächte sind die mitteleuropäische Fassung derselben Zeit: dieselben zwölf Nächte, dieselben Verbote, derselbe Rauch. Die Namen sind verschieden, das Gefühl ist dasselbe.

Gab es bei den Kelten Rauhnächte?

Von den historischen Kelten ist kein Mittwinterfest überliefert. Alban Arthan und das Jahresrad mit acht Festen sind moderne Schöpfungen, aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Wer sie feiert, feiert etwas Junges, und das ist in Ordnung.

Warum soll man in den Rauhnächten keine Wäsche waschen?

Weil sich die Wilde Jagd in den Laken verfangen könnte, so der alte Glaube; in der Steiermark hieß es, weiße Wäsche würde zum Leichentuch. Heute ist es eine Einladung, zwölf Tage lang etwas weniger zu erledigen.

Wann verbrennt man die Wunschzettel?

Je Rauhnacht einen, ungelesen, in einer feuerfesten Schale. Der dreizehnte bleibt übrig und wird am 6. Januar geöffnet oder nie. Das Ritual ist modern, aber beliebt.

Gibt es zwölf oder dreizehn Rauhnächte?

Zwölf ist die übliche Zahl. Wer die Nacht auf Dreikönig mitzählt oder die Nacht vor Heiligabend, kommt auf dreizehn; in Island kommen dreizehn Weihnachtsgesellen, einer je Nacht. Regional schwankt die Zahl zwischen drei und dreizehn.

Was sind Sperrnächte?

Bei den Brüdern Grimm eine einzige Nacht vor Weihnachten im Unterelsass, in der die Spinnräder weggesperrt wurden. Die zwölf Sperrnächte im Advent sind eine moderne Ergänzung ohne Beleg in der Überlieferung.

Wer ist Frau Perchta?

Eine Gestalt des Alpenraums, seit dem 13. Jahrhundert belegt, die in den Zwölften die Häuser prüft, Fleiß belohnt und Faulheit straft. Ihr Tag ist der 6. Januar. Im Norden und in der Mitte Deutschlands entspricht ihr Frau Holle, in Skandinavien Lussi.

Welches Räucherwerk gehört in die Rauhnächte?

Weihrauch, Myrrhe, Wacholder und Beifuß sind der belegte Kanon, dazu Harze aus dem Wald wie Kiefern- und Fichtenharz. Für die Hauptnächte Weihrauch auf der Kohle, für die Nächte dazwischen etwas Leichteres auf dem Sieb. Die Tabelle oben zeigt, was wozu passt.

Kann ich die Rauhnächte ohne Rauch begehen?

Ja. Ein Sieb mit Teelicht macht fast keinen Rauch, ein Heft für Träume und Wetter braucht gar keinen. Der Kern der Rauhnächte ist die Stille.

Rauhnächte oder Raunächte, wie schreibt man das?

Beides ist üblich. Wikipedia schreibt Raunacht, die meisten Menschen und Bücher Rauhnacht. Wir bleiben beim h, weil es nach Rauch klingt und der Rauch dazugehört.

Weitere Ratgeber aus unserem Laden

Quellen

  • Beda Venerabilis, De temporum ratione, Kapitel 15 (Modraniht, Giuli); Snorri Sturluson, Heimskringla: Ynglinga saga und Hákonar saga góða; Sebastian Franck, Weltbuch 1534, zitiert nach Wikipedia, Artikel Raunacht
  • Wikipedia, Artikel Raunacht, Yule, Mōdraniht, Wild Hunt, Perchta, Frau Holle, Icelandic Christmas folklore, Konzil von Tours (567), Alban Arthan, Wheel of the Year, abgerufen September 2026
  • Store norske leksikon (snl.no), Artikel Åsgårdsrei, Lussi, Julebukk, Tomasmesse; Nordiska museet, Christmas traditions; Universität Südost-Norwegen, Lucia and Lussi
  • Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, Artikel Sperrnacht, über dwds.de; Karl Bartsch, Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg (1879), Frau Gauden
  • Universität Innsbruck, Datenbank Feste und Bräuche, Eintrag Rauhnacht; Landesportal Schleswig-Holstein, Rummelpottlaufen; Dagmar Hänel (LVR) bei Quarks zur Herkunft des Wortes Rauhnacht
  • Beratungswissen aus dem Laden Spirit of Gaia, Neuss