Sebastian Franck schrieb 1534 in seinem Weltbuch, in den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig sei kein Haus, in dem nicht jeden Tag Weihrauch geräuchert werde. Schon Johannes Boemus hatte 1520 vom Räuchern in diesen Nächten berichtet. Mehr zu diesen Nächten steht in unserem Ratgeber Rauhnächte.
Wie so ein Rundgang ablief, erzählt man auf einem Hof in Südtirol. Man holte Glut aus dem Herd in eine Pfanne oder ein altes Bügeleisen, legte Weihrauch und Kräuter aus dem geweihten Kräuterbuschen darauf, und der Vater ging mit der Pfanne voraus, dahinter jemand mit Weihwasser, während die Familie betete. So ging es durch alle Zimmer, danach in Stall und Scheune, rund eine Stunde lang.
Auf einem Hof im Berchtesgadener Land beginnt der Räuchergang an Dreikönig in der Stube und endet im Stall, mit Fichte, Wacholder, Mistel und Salbei auf der Glut. In Osttirol heißt der Brauch „Rachn gehn“ und findet am 24. und 31. Dezember und am 5. Januar statt, wobei einer die Pfanne trägt, einer das Weihwasser und einer vorbetet. In Südtirol beginnt man in der Küche und ist vor neun Uhr abends fertig.
Die Kräuter kamen aus dem Kräuterbuschen, den man zu Mariä Himmelfahrt am 15. August weihen ließ. Erwähnt wird die Kräuterweihe schon im Sachsenspiegel aus dem 13. Jahrhundert, und je nach Gegend band man sieben, neun oder weit mehr Kräuter zusammen, darunter Alant, Johanniskraut, Schafgarbe, Wermut, Beifuß und Königskerze. Der Strauß hing auf dem Dachboden, im Stall oder im Herrgottswinkel, und bei Gewitter und in den Rauhnächten kam ein Teil davon auf die Glut. Mehr zu den Festen im Jahreslauf steht im Ratgeber Jahreskreisfeste.
Zu Dreikönig gehen die Sternsinger von Haus zu Haus, räuchern mit Weihrauch und schreiben C+M+B mit der Jahreszahl an die Tür. Die Buchstaben werden heute als „Christus mansionem benedicat“ gedeutet, Christus segne dieses Haus; ältere Deutungen lesen darin die Namen Caspar, Melchior und Balthasar.