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Rauhnächte: 10 Rituale für die Zeit zwischen den Jahren

  • Christian Dahmen
  • Veröffentlicht am
  • 8 Minuten Lesezeit
Dreizehn gefaltete Wunschzettel neben einer Räucherschale mit Glut, Tannenzweigen und einer Kerze vor einem verschneiten Fenster

Zu den Ritualen der Rauhnächte gehören das Ausräuchern des Hauses, das Notieren von Traum und Wetter, das Verbrennen von Wunschzetteln, das Wachsgießen zu Silvester und der Haussegen an Dreikönig. Hier findest du zehn Rituale für die Zeit zwischen den Jahren, jedes mit einer kurzen Anleitung für zu Hause.

Wann die Rauhnächte genau sind, wie man die Nächte zählt und welche Nacht für welchen Monat steht, erklärt unser Ratgeber zu den Rauhnächten mit dem Kalender aller zwölf Nächte. Das Räucherwerk für die Abende findest du im Rauhnachts-Räucherwerk.

Die zehn Rituale folgen dem Lauf der Zeit zwischen den Jahren, von der Thomasnacht bis Dreikönig:

  1. Das Haus aufräumen
  2. Den Julfrieden beginnen
  3. Das Haus ausräuchern
  4. Traum und Wetter notieren
  5. Dreizehn Wünsche verbrennen
  6. Einen Abend lang nichts erledigen
  7. Wachs gießen
  8. Den Zwiebelkalender ansetzen
  9. Eine Kerze für die, die fehlen
  10. Den Haussegen schreiben

Rauhnächte-Anleitung als PDF zum Ausdrucken

Der Rauhnacht-Begleiter ist ein kostenloses PDF auf zwei A4-Seiten, ohne Jahreszahl und ohne Anmeldung. Er enthält die zwölf Nächte und die Nacht auf Dreikönig mit Monat, Thema, Räucherwerk und einer Sache zum Tun, die Anleitung zum Ausräuchern, die vier Hauptnächte, die dreizehn Wünsche und ein Heft für Traum und Wetter mit der Frage jeder der zwölf Nächte.

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Was kannst du vor der ersten Rauhnacht tun?

Das Haus aufräumen

Nach altem Glauben hatte Unaufgeräumtes in den Rauhnächten im Haus nichts verloren. So hieß es, im Süden sehe die Percht nach, im Norden Lussi.

So gehst du vor: Nimm dir zur Thomasnacht, der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember, eine Schublade, ein Regal oder den Stapel vor, der dich seit Wochen anschaut, und sortier aus, was du nicht mehr brauchst. Das ganze Haus muss es nicht sein. Am selben Abend legst du Schale, Sand, Kohle und Räucherwerk für die erste Nacht bereit.

Den Julfrieden beginnen

In Norwegen und Schweden beginnt mit der Tomasmesse am 21. Dezember der Julfriede. Bis zu diesem Tag musste das Julbier fertig sein, danach ließ man Arbeit und Streit bis nach Dreikönig ruhen. Getrunken wurde zu Jul „für ein gutes Jahr und für Frieden“.

So gehst du vor: Lass von der Thomasnacht bis Dreikönig jeden Streit ruhen, den du ruhen lassen kannst. Am ersten Abend hebst du dein Glas oder deine Teetasse auf ein gutes Jahr und auf Frieden, gern mit allen, die mit dir am Tisch sitzen.

Welche Rauhnächte-Rituale begleiten dich durch die zwölf Nächte?

Das Haus ausräuchern

Kein Brauch der Rauhnächte ist so gut belegt wie das Räuchern. Der Chronist Sebastian Franck hielt 1534 fest, dass in den zwölf Nächten bis Dreikönig in jedem Haus täglich Weihrauch aufstieg.

Wie der Rundgang ablief, ist aus Südtirol überliefert. Einer aus der Familie ging mit der Räucherpfanne durch alle Räume, los ging es in der Küche, und fertig war man vor neun Uhr abends.

  1. Gib Sand in eine feuerfeste Schale, bis sie etwa zu zwei Dritteln voll ist.
  2. Zünde eine Kohletablette an, halte sie dabei mit der Zange und leg sie auf den Sand. Nach etwa fünf Minuten ist sie durchgeglüht und trägt einen hellen Rand aus Asche.
  3. Streu eine Prise Weihrauch, Myrrhe, Wacholder, Beifuß oder eine Rauhnachtsmischung auf die Glut. Leg lieber später nach als zu viel auf einmal.
  4. Fang in der Küche an und trag die Schale langsam von Raum zu Raum, in die Ecken, an die Fenster, an die Tür.
  5. Öffne zum Schluss ein Fenster. Die Kohle glüht in der Schale aus, oder du deckst sie mit Sand zu.

Die ausführliche Fassung steht in der Anleitung zum Ausräuchern im Ratgeber. Wie das Räuchern mit Kohle oder Sieb grundsätzlich geht, steht in unserer Anleitung zum Räuchern.

Traum und Wetter notieren

Die Rauhnächte waren Losnächte, in denen man nach Vorzeichen suchte. Nach der Überlieferung steht jede Nacht für einen Monat des neuen Jahres, die erste für den Januar, die zwölfte für den Dezember. Eine alte Regel lautet: „Wie das Wetter in den zwölf Tagen ist, so wird es in den zwölf Monaten.“ Auch ein Traum sollte etwas über seinen Monat verraten.

So gehst du vor: Leg ein Heft neben das Bett. Morgens, noch vor dem Kaffee, schreibst du den Traum auf, dazu das Wetter und den Monat, für den die Nacht steht. Das Heft ist die heutige Fassung des alten Losnachtbrauchs, und was du später daraus liest, bleibt dir überlassen.

Dreizehn Wünsche verbrennen

Dreizehn Wünsche kommen vor der ersten Rauhnacht auf dreizehn Zettel. Nacht für Nacht ziehst du einen und verbrennst ihn ungelesen, bis nur der dreizehnte übrig ist. Volkskundliche Sammlungen kennen das Ritual nicht, es ist jung und inzwischen das beliebteste der Rauhnächte.

Die Zettel verbrennst du nur in einer feuerfesten Schale, bleibst dabei und öffnest ein Fenster einen Spalt. Ablauf, Termine und alle Feuerregeln stehen in unserer Anleitung zum 13-Wünsche-Ritual.

Einen Abend lang nichts erledigen

In den Zwölften ruhten viele Arbeiten. Wäsche wurde weder gewaschen noch aufgehängt, denn es hieß, die Wilde Jagd könne sich in den Laken verfangen. Spinnräder blieben stehen, Teig blieb ungeknetet, und mancherorts war sogar das Kartenspiel verboten.

So gehst du vor: Such dir einen Abend aus, an dem du nichts erledigst. Die Wäsche bleibt im Korb, die Listen bleiben liegen, und am Abend gibt es nur die Räucherschale und den Rauch.

Welche Rituale gehören in die Silvesternacht?

Silvester zählt zu den vier Hauptnächten der Rauhnächte und ist die klassische Losnacht. In dieser Nacht suchte man Vorzeichen für das neue Jahr.

Wachs gießen

Früher goss man an Silvester Blei. Bleigießsets werden wegen des Bleigehalts seit 2018 nicht mehr verkauft, und Wachs gießen geht genauso.

So gehst du vor: Im Kalender unseres Ratgebers räucherst du in der Silvesternacht vor Mitternacht, gießt danach Wachs und setzt den Zwiebelkalender an. Um Mitternacht öffnest du die Fenster.

Den Zwiebelkalender ansetzen

Der Zwiebelkalender ist ein Orakel für den Küchentisch, belegt in Schwaben, im Erzgebirge und in Schlesien. Er sagt nach der Überlieferung das Wetter der zwölf Monate voraus.

So gehst du vor: Zerleg an Silvester eine Zwiebel in zwölf Schalen, beschrifte jede mit einem Monat und streu etwas Salz hinein. Im Kalender unseres Ratgebers liest du die Schalen in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar ab. Wo das Salz feucht geworden ist, wird es nach altem Glauben ein nasser Monat.

Wie schließt du die Rauhnächte ab?

Eine Kerze für die, die fehlen

Nach altem Glauben sind in diesen Nächten die Seelen der Toten unterwegs. Auch die älteste belegte Nacht des ganzen Bogens gilt als Fest der Mütter und Ahnen: Der Mönch Beda nannte die Nacht auf den 25. Dezember Modraniht, die Nacht der Mütter.

So gehst du vor: Im Kalender unseres Ratgebers gehört dieses Ritual in die elfte Nacht, vom 3. auf den 4. Januar. Stell eine Kerze ins Fenster, zünde sie für die Menschen an, die nicht mehr da sind, und leg eine Prise Weihrauch oder Myrrhe auf die Glut. Myrrhe ordnet die Räucherüberlieferung dem Abschied und den Ahnen zu, und wer mag, schreibt dazu auf, wem er dankt.

Die Kerze steht in einem feuerfesten Halter, mit Abstand zu allem, was brennen kann, und sie brennt nur, solange du im Raum bist.

Den Haussegen schreiben

Am 6. Januar ziehen die Sternsinger von Tür zu Tür, räuchern mit Weihrauch und hinterlassen den Segen C+M+B. Gemeint waren zuerst die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar; als lateinischer Segensspruch werden die Buchstaben erst seit den sechziger Jahren gedeutet. Früher räucherte zu Dreikönig die Hausmutter die Räume aus, und der Hausvater schrieb mit Kreide.

So gehst du vor: Räuchere ein letztes Mal mit Weihrauch durch die Wohnung und schreib C+M+B mit Kreide über die Tür, wenn keine Sternsinger kommen. Dann räumst du die Schale aus. Wer das 13-Wünsche-Ritual gemacht hat, öffnet jetzt den dreizehnten Zettel oder lässt ihn zu.

Was brauchst du für die Rituale?

Zum Räuchern gehören Schale, Sand, Kohle, Zange und Räucherwerk. Schalen und Zubehör findest du im Räucherzubehör, und für die zwölf Nächte gibt es bei uns außerdem das Rauhnacht Ritualset. Darin stecken eine Fibel mit 40 Seiten, eine Wacholderkerze, vier Räucherungen, Bergkristall, Kreide und Kupferkügelchen sowie Tongefäß, Sand und Kohle. Für Träume, Wetter und Wünsche reichen ein Heft und ein paar Zettel.

Was Kunden bei uns im Laden fragen

Eine Frage, die wir am Glockhammer in Neuss in dieser Zeit hören: „Muss ich alle zwölf Nächte räuchern?“ Nein. Vier Nächte gelten als Hauptnächte, und wo heute noch nach alter Art geräuchert wird, sind es meist drei davon: Heiligabend, Silvester und die Nacht auf Dreikönig. Wer statt zu räuchern nur das Heft führt, gehört genauso dazu.

Eine andere Frage ist die nach dem Anfang. Bei uns am Niederrhein beginnen die meisten an Heiligabend. Wem die Feiertage zu voll sind, der beginnt später, und einige Kundinnen legen ihre zwölf Nächte jedes Jahr auf den 2. bis 13. Januar. Im Laden darfst du jede Mischung vorher riechen.

Wie räucherst du in den Rauhnächten sicher?

  • Die Schale steht auf einer hitzebeständigen Unterlage. Holz, Stoff und Kunststoff taugen dafür nicht.
  • Glühende Kohle, brennende Zettel und Kerzen lässt du nie unbeaufsichtigt.
  • Nach jeder Räucherung lüftest du, weil beim Verglimmen Rauch und Feinstaub entstehen.
  • Die Kohle erstickst du mit Sand oder lässt sie ausglühen. Wasser nimmst du dafür nie, sonst kann die Schale springen.
  • Haustiere bringst du in einen anderen Raum, Kinder halten Abstand.

Wer sich an die alte Regel hält und vor neun Uhr abends räuchert, hat bis zum Schlafengehen eine kalte Schale.

Häufige Fragen zu Ritualen in den Rauhnächten

Was macht man in den Rauhnächten?

Überliefert sind das Räuchern, das Achten auf Träume und Wetter als Vorzeichen, die Arbeitsruhe, zu Silvester das Blei- und heute Wachsgießen und der Zwiebelkalender. Das Traumheft ist die heutige Fassung des alten Losnachtbrauchs, und jung sind auch die dreizehn Wünsche.

Muss ich in jeder Rauhnacht ein Ritual machen?

Nein. Wo nach alter Art geräuchert wird, sind es meist drei Abende: Heiligabend, Silvester und die Nacht auf Dreikönig. Das Heft für Träume und Wetter läuft nebenbei.

Kann ich die Rituale ohne Rauch machen?

Ja. Auf einem Sieb über dem Teelicht entsteht kaum Rauch, und Traumheft und Wetternotiz kommen ganz ohne aus.

Wann beginnen die Rauhnächte?

In unserem Ratgeber ist die erste Nacht die vom 24. auf den 25. Dezember, und bei uns am Niederrhein beginnen auch die meisten an Heiligabend. Wer anders zählt, startet am 25. Dezember oder schon zur Thomasnacht, der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember. Die zwölfte Nacht liegt vom 4. auf den 5. Januar, und mit Dreikönig am 6. Januar ist der Bogen geschlossen.

Kann ich die Rauhnächte auch im Januar begehen?

Ja. Wer über Weihnachten keine Ruhe hat, beginnt später, und die Zuordnung der Nächte zu den Monaten rückt einfach mit.

Gibt es einen Rauhnacht-Begleiter zum Ausdrucken?

Ja. Der Rauhnacht-Begleiter ist ein kostenloses PDF auf zwei A4-Seiten, ohne Anmeldung und ohne Jahreszahl. Er enthält die zwölf Nächte und die Nacht auf Dreikönig mit Thema und Räucherwerk, die Anleitung zum Ausräuchern und ein Heft für Traum und Wetter mit der Frage jeder der zwölf Nächte.

Quellen: Sebastian Franck, Weltbuch 1534, nach Wikipedia, Artikel Raunacht · Wikipedia, Artikel Zwiebelkalender und Sternsinger · Universität Innsbruck, Datenbank Feste und Bräuche · Store norske leksikon, Artikel Tomasmesse · Ökotest zum Wachsgießen · Beratungswissen aus dem Laden Spirit of Gaia, Neuss.

Stand: Oktober 2026 · Brenda Dahmen, Spirit of Gaia, Neuss

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